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Wer produziert wirklich in Bangladesch? Ein Blick hinter das “Made in Bangladesh”-Label

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Moderne, LEED-zertifizierte Textilfabrik in Bangladesch, in der Näherinnen Kleidung für internationale Marken wie H&M, Zara, C&A und Hugo Boss fertigen. Auditoren führen eine Qualitätskontrolle durch

Wenn wir das Etikett unserer Kleidung umdrehen, lesen wir oft drei Worte: “Made in Bangladesh”. Viele Verbraucher verbinden dies sofort mit “Billigmode”. Doch die Realität der globalen Textilindustrie sieht heute anders aus. Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Bekleidungsexporteur der Welt – und fast jeder große westliche Modekonzern lässt dort fertigen.

In diesem Artikel werfen wir einen authentischen Blick auf die Lieferketten. Welche Marken produzieren in Bangladesch? Und was bedeutet das für Qualität und Arbeitsbedingungen?

Die großen Fast-Fashion-Giganten

Diese Unternehmen sind die größten Auftraggeber in Bangladesch. Sie buchen oft ganze Fabrikkapazitäten für Monate im Voraus, um die weltweite Nachfrage zu decken.

  • H&M Group: Als einer der größten Abnehmer weltweit bezieht H&M riesige Mengen an T-Shirts, Hosen und Strickwaren aus bengalischen Fabriken.

  • Inditex (Zara, Bershka, Pull&Bear): Während Zara für extrem modische Teile oft in der Türkei oder Spanien produziert (für schnellere Lieferwege), kommen die “Basics” und großen Stückzahlen sehr häufig aus Bangladesch.

  • Primark: Bekannt für niedrige Preise, fertigt Primark massive Volumina in Bangladesch, um die Kostenstruktur gering zu halten.

  • Weitere Big Player: Auch Mango, Uniqlo und Gap sind fest in der bengalischen Produktionslandschaft verankert.

Deutsche Discounter & Traditionsmarken

Deutschland ist einer der wichtigsten Exportmärkte für Bangladesch. Besonders deutsche Unternehmen haben einen enormen Einfluss auf die Standards vor Ort.

  • C&A: Ein Traditionshaus mit einer langen Geschichte in Bangladesch. C&A war eine der ersten Marken, die sich nach 2013 stark für Sicherheitsabkommen engagierten.

  • Lidl & Aldi: Die Textil-Aktionsware der Discounter (Eigenmarken) stammt zu großen Teilen aus südasiatischen Fabriken.

  • KiK: Historisch einer der größten Einkäufer in der Region.

  • Tchibo: Auch Tchibo lässt dort produzieren, legt aber mittlerweile einen starken Fokus auf Transparenz und Nachhaltigkeitsprogramme (z.B. WE Programme).

Luxus & Premium: Die große Überraschung

Viele Konsumenten glauben, dass teure Marken ausschließlich in Europa produzieren. Das ist ein Irrtum. Auch im Premium-Segment werden die Kompetenzen und niedrigen Lohnkosten in Bangladesch genutzt, insbesondere für arbeitsintensive Produkte wie Hemden oder Outdoor-Jacken.

Laut Zuliefererlisten und Branchenberichten lassen auch folgende Marken in Bangladesch fertigen:

  • Hugo Boss: Auch im Premium-Bereich wird in Bangladesch gefertigt – oft in denselben Industrieparks wie Fast-Fashion, jedoch häufig unter strengeren Qualitätskontrollen.

  • Tommy Hilfiger & Calvin Klein (PVH Corp): Der amerikanische Mutterkonzern ist einer der Top-Auftraggeber.

  • Sportartikel: Adidas und Puma lassen vor allem Trikots und funktionale Sportbekleidung in Bangladesch nähen.

Authentizitäts-Check: Was Sie wissen müssen

Es reicht nicht, nur die Marken zu kennen. Um die Situation wirklich zu verstehen, müssen wir tiefer blicken. Die Produktion in Bangladesch hat sich in den letzten zehn Jahren massiv gewandelt.

1. Nicht jede Fabrik ist gleich

Es ist ein offenes Geheimnis in der Branche: Oft näht eine Fabrik am Vormittag für einen Discounter und am Nachmittag für eine Premium-Marke. Der Unterschied liegt oft nur im Stoff, dem Schnittmuster und der Qualitätskontrolle – die Näherin ist dieselbe.

2. “Grüne” Fabriken (Green Factories)

Bangladesch besitzt heute die weltweit höchste Anzahl an LEED-zertifizierten (umweltfreundlichen) Textilfabriken. Große bengalische Konglomerate wie die DBL Group oder Plummy Fashions betreiben hochmoderne Anlagen, die in Sachen Umweltschutz oft westliche Standards übertreffen.

3. Sicherheit und der “Accord”

Nach der Katastrophe von Rana Plaza (2013) wurde der “International Accord on Fire and Building Safety” ins Leben gerufen. Marken, die diesen unterzeichnet haben (wie H&M, Tchibo, C&A), verpflichten sich zu unabhängigen Kontrollen ihrer Zulieferer. Achten Sie darauf, ob Ihre Lieblingsmarke diesen Accord unterzeichnet hat.

Fazit

“Made in Bangladesh” ist kein Merkmal für schlechte Qualität, sondern der Standard der globalen Modeindustrie. Von KiK bis Hugo Boss lässt fast jeder dort nähen.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Ort der Produktion, sondern darin, wie fair die Marke ihre Einkaufsmacht nutzt. Zahlt sie existenzsichernde Löhne? Unterstützt sie Gewerkschaften vor Ort? Das sind die Fragen, die wir uns als kritische Konsumenten stellen müssen.


Quellen & Weiterführende Links:

  • Open Supply Hub (Transparenz-Datenbank für Zulieferer)

  • Clean Clothes Campaign (Kampagne für Saubere Kleidung)

  • International Accord on Fire and Building Safety


❓ Häufige Fragen (FAQ)

Welche Luxusmarken produzieren in Bangladesch? Neben vielen High-Street-Marken lassen auch Premium-Hersteller wie Hugo Boss, Tommy Hilfiger, Calvin Klein und diverse Outdoor-Marken Teile ihrer Kollektionen in Bangladesch fertigen.

Ist Kleidung aus Bangladesch schlechte Qualität? Nein, das Herkunftsland sagt nichts über die Qualität aus. Bangladesch verfügt über hochmoderne Maschinenparks. Die Qualität wird durch die Vorgaben und Materialien bestimmt, die der Auftraggeber (die Marke) liefert und bezahlt.

Wie erkenne ich faire Kleidung aus Bangladesch? Achten Sie auf Siegel wie “GOTS” (Global Organic Textile Standard), “Fairtrade” oder die Mitgliedschaft der Marke in der “Fair Wear Foundation”. Auch der “Grüne Knopf” ist ein guter Indikator.